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Perfusor berechnen ohne Rechenfehler: Laufrate, Konzentration und Doppelkontrolle

Eine Spritzenpumpe dosiert nur so genau, wie zuvor gerechnet wurde, und Einheiten- oder Kommafehler führen schnell zu einer zehnfach falschen Dosis. Dieser Beitrag zeigt eine einheitliche Rechenlogik für die Laufrate, typische Fehlerquellen und eine praxistaugliche Doppelkontrolle.

Notfallmedikamente · 6 Min. Lesezeit · Ärztlich geprüft am 1. November 2026 · English version

Illustration zum Beitrag Perfusor berechnen ohne Rechenfehler: Laufrate, Konzentration und Doppelkontrolle

Warum Perfusor-Rechnungen fehleranfällig sind

Kontinuierlich verabreichte Medikamente wie Vasopressoren, Betablocker oder Sedativa haben oft eine geringe therapeutische Breite. Sie werden häufig unter Zeitdruck aufgezogen, etwa im Schockraum, im Notarztdienst oder bei der Narkoseeinleitung. Wer einen Perfusor berechnet, muss drei Größen zusammenführen:

  • Dosis, z. B. µg/kg/min oder mg/kg/h
  • Körpergewicht
  • Konzentration in der Spritze

Dabei treten drei verschiedene Einheitensysteme auf: Masse (µg, mg, g, mmol), Zeit (min, h) und Volumen (ml). Die meisten relevanten Fehler entstehen nicht in der Arithmetik selbst. Sie entstehen beim Übergang zwischen diesen Einheiten.

Die Grundformel: Laufrate berechnen

Eine robuste Methode ist, immer in derselben Reihenfolge und mit ausgeschriebenen Einheiten zu rechnen.

Schritt 1: Konzentration in die Einheit der Dosis umrechnen

Ist die Dosis in µg/kg/min angegeben, wird die Spritzenkonzentration in µg/ml umgerechnet. Beispiel: 5 mg in 50 ml ergeben 0,1 mg/ml, also 100 µg/ml.

Schritt 2: Dosis pro Stunde berechnen

Dosis (µg/kg/min) × Körpergewicht (kg) × 60 = µg/h

Schritt 3: Laufrate berechnen

Laufrate (ml/h) = Dosis × KG × 60 ÷ Konzentration

Ist die Dosis bereits pro Stunde angegeben (mg/kg/h), entfällt der Faktor 60.

Rückrechnung als Kontrolle

Dosis (µg/kg/min) = Laufrate (ml/h) × Konzentration (µg/ml) ÷ (KG × 60)

Die Rückrechnung von der eingestellten Laufrate auf die Dosis ist ein einfacher und wirksamer Selbsttest. Sie sollte vor jedem Start und nach jeder Laufratenänderung erfolgen.

Rechenbeispiele zur Spritzenpumpe-Dosierung

Noradrenalin: 5 mg/50 ml = 100 µg/ml

Die Dosis wird nach Zielblutdruck titriert (z. B. MAP ≥ 65 mmHg), bevorzugt über ZVK. Beispiel für 70 kg und 0,1 µg/kg/min:

  • 0,1 × 70 × 60 = 420 µg/h
  • 420 µg/h ÷ 100 µg/ml = 4,2 ml/h

Das entspricht dem Wert der Perfusor-Tabelle für 70 kg. Bei dieser Standardkonzentration lässt sich die Formel vereinfachen: ml/h = µg/kg/min × KG × 0,6.

Wichtig ist auch die Ampulle selbst. Sie enthält 1 mg/ml und ist damit zehnfach höher konzentriert als die Perfusorlösung. Wird die Ampulle mit der Spritze verwechselt, entsteht ein Zehnfachfehler. Für Noradrenalin gilt laut Fachinformation:

  • separater Schenkel,
  • keine Bolusgabe über denselben Zugang.

Landiolol: 300 mg in 50 ml = 6 mg/ml (6000 µg/ml)

Bei normaler linksventrikulärer Funktion wird nach Herzfrequenz mit 10–40 µg/kg/min titriert. Beispiel für 80 kg und 20 µg/kg/min:

  • 20 × 80 × 60 = 96.000 µg/h
  • 96.000 ÷ 6000 = 16 ml/h

Vereinfacht gilt bei dieser Zubereitung: ml/h = µg/kg/min × KG ÷ 100.

Bei eingeschränkter LV-Funktion beginnt man laut Fachinformation mit 1 µg/kg/min und steigert langsam bis maximal 10 µg/kg/min. Bei 80 kg sind das 0,8 ml/h bzw. 8 ml/h. Hier zeigt sich ein typisches Risiko: Ein verrutschtes Komma zwischen 0,8 und 8 ml/h entspricht genau dem Unterschied zwischen Startdosis und Höchstdosis.

Midazolam: 1 mg/ml (50 mg/50 ml)

Für die Sedierung beatmeter Patient:innen nennt die Fachinformation 0,03–0,2 mg/kg/h kontinuierlich. Da die Dosis bereits pro Stunde angegeben ist und die Lösung 1 mg/ml enthält, gilt: ml/h = mg/kg/h × KG. Bei 80 kg und 0,1 mg/kg/h ergibt das 8 ml/h.

Midazolam ist allerdings in mehreren Konzentrationen im Handel (1, 2 und 5 mg/ml). Wird versehentlich 5 mg/ml aufgezogen, ist die Dosis bei gleicher Laufrate fünfmal so hoch.

Bei Hypovolämie, Vasokonstriktion oder Hypothermie sollen Aufsättigung und Erhaltungsdosis reduziert werden.

Magnesiumsulfat: Gramm, Millimol und Prozent

Bei schwerer Präeklampsie bzw. Eklampsie nennt die S2k-Leitlinie eine Erhaltungsdosis von 1–2 g/h über Perfusor. Drei Fallstricke sind zu beachten:

  • Bezugsgröße: Die Dosis bezieht sich auf g Magnesiumsulfat-Heptahydrat. Manche Präparate deklarieren stattdessen mmol oder mg Mg²⁺. Als Faustregel gilt: 1 g ≈ 4 mmol Mg²⁺.
  • Konzentration: 10 % entspricht 100 mg/ml, 50 % entspricht 500 mg/ml. Das ist ein Faktor 5. Die 50-%-Lösung muss vor der i.v.-Gabe verdünnt werden.
  • Zubereitung: Die Laufrate hängt von der gewählten Verdünnung ab. Sie wird nach Fachinformation bzw. hausinternem Standard berechnet und nicht aus dem Gedächtnis übernommen.

Zur Überwachung gehören:

  • Patellarsehnenreflex (er erlischt bei Überdosierung zuerst),
  • Atemfrequenz und SpO₂,
  • Urinausscheidung.

Typische Fehlerquellen beim Perfusor-Berechnen

Einheiten und Rechenweg

  • µg statt mg (oder umgekehrt): Faktor 1000.
  • Faktor 60 vergessen oder doppelt angewendet: Das betrifft die Verwechslung von µg/kg/min und µg/kg/h.
  • µg/kg/min mit µg/min verwechselt: Der Fehler ist so groß wie das Körpergewicht.
  • Komma- und Zehnerpotenzfehler: Besonders gefährlich bei Laufraten unter 1 ml/h und bei Pumpen, die eine Nachkommastelle anzeigen.

Konzentration und Gewicht

  • Falsche Konzentration: Mehrere Handelskonzentrationen, uneinheitliche Deklaration (g Salz vs. mmol) oder Abweichungen vom Stationsstandard.
  • Unsicheres Körpergewicht: Ein geschätztes Gewicht ist eine Fehlerquelle. Das verwendete Gewicht sollte dokumentiert werden.

Pumpe und Leitung

  • Pumpenbedienung: Falscher Eintrag aus der Medikamentenbibliothek, falscher Spritzentyp, unbeabsichtigte Bolusfunktion, nicht entfernte Klemmen.
  • Leitungsmanagement: Boli oder Spülungen über den Katecholaminschenkel schwemmen den Wirkstoff unkontrolliert ein. Unterbrechungen beim Spritzenwechsel können zu Blutdruckeinbrüchen führen.
  • Niedrige Laufraten: Bei sehr niedrigen Laufraten wirken Totraum, Anlaufverzögerung und Höhenunterschiede zwischen Spritze und Patient:in stärker. Eine verdünntere Standardlösung kann sinnvoll sein, muss dann aber konsequent einheitlich gekennzeichnet werden.

Doppelkontrolle: So wird sie wirksam

Eine Doppelkontrolle schützt nur dann, wenn sie unabhängig erfolgt. Liest die zweite Person lediglich die fertige Rechnung nach, übernimmt sie häufig denselben Fehler. Praxistaugliche Elemente sind:

  1. Getrennt rechnen: Zwei Personen berechnen die Laufrate unabhängig und vergleichen erst danach.
  2. Gegen Tabelle prüfen: Das Ergebnis wird mit einer validierten Perfusor-Tabelle abgeglichen, sofern es eine für die verwendete Konzentration gibt.
  3. Plausibilität prüfen: Liegt die Laufrate in der erwarteten Größenordnung? Bei 70 kg und üblicher Noradrenalin-Standardlösung wären 42 ml/h statt 4,2 ml/h ein Warnsignal.
  4. Rückrechnen: Von der eingestellten Laufrate wird auf µg/kg/min bzw. mg/kg/h zurückgerechnet.
  5. Closed-Loop-Kommunikation: Anordnung, Wiederholung und Bestätigung mit Wirkstoff, Konzentration, Dosis und Laufrate. Einheiten werden immer ausgesprochen.
  6. Eindeutig etikettieren: Wirkstoff, Gesamtmenge, Volumen, Konzentration, Uhrzeit und Kürzel.
  7. Standardkonzentrationen verwenden: Abteilungsweit einheitliche Zubereitungen reduzieren die Rechenlast. Sie wirken am besten zusammen mit einer passend hinterlegten Medikamentenbibliothek der Pumpe.

Zum Nachschlagen enthalten die Web-App „Notfall & Narkose“ und das Kitteltaschenbuch im Format A6 Perfusor-Tabellen für die jeweils angegebene Standardzubereitung. Sie gelten nur für exakt diese Konzentration. Weicht die Zubereitung ab, muss neu gerechnet werden.

Fazit für die Praxis

Wer einen Perfusor sicher berechnen will, braucht weniger Kopfrechenkunst als ein festes Vorgehen:

  • Einheiten angleichen,
  • nach immer gleicher Formel rechnen,
  • das Ergebnis zurückrechnen,
  • unabhängig gegenprüfen lassen.

Standardkonzentrationen und Tabellen erleichtern die Spritzenpumpe-Dosierung deutlich. Sie ersetzen aber nicht den Blick auf Etikett, Ampulle und Pumpendisplay. Die Dosis selbst wird stets nach klinischem Effekt titriert, z. B. nach Blutdruck, Herzfrequenz oder Sedierungstiefe.

Quellen

  • Fachinformation Noradrenalin 1 mg/ml Konzentrat – aktuelle Fassung.
  • Fachinformation Landiolol 300 mg Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung (Landiololhydrochlorid) – aktuelle Fassung prüfen.
  • Fachinformation Midazolam 1 mg/ml bzw. 5 mg/ml Injektionslösung – Standarddosierungstabelle; abgeglichen mit EU-SmPC Midazolam (UK).
  • DGGG/OEGGG/SGGG. Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen: Diagnostik und Therapie. S2k-Leitlinie, AWMF-Registernummer 015-018 – aktuelle Fassung prüfen.

Dieser Beitrag ersetzt weder die ärztliche Beurteilung im Einzelfall noch die aktuelle Fachinformation und Leitlinie.